Start Neuigkeiten Unsere Partnerschaft mit Nîmes
   
Terminänderungen!!!
Unsere Partnerschaft mit Nîmes PDF Drucken E-Mail

Die Sonne strahlt über der am Rande der Provence gelegenen Großstadt Nîmes.

Prächtig erheben sich die Zeugnisse römischer Kultur in der mediterranen Landschaft: der Pont du Gard, ein fast perfekt erhaltener Aquädukt über einer vom Gardon durchzogenen Schlucht, der wundervolle Tempel maison carrée, das beeindruckende Amphitheater.

Einige Kilometer südlich der Stadt erstreckt sich die Camargue, das Schwemmland der Rhone

mit seinen Pferden, Stieren und Flamingos. Im Hinterland erheben sich die dünn besiedelten Cevennen, wo die verfolgten Protestanten gegen König Ludwig den XIV. Widerstand leisteten.

Unsere Partnergemeinde ist die fraternité de Grezan. Vor dem östlichen Rand der Altstadt hat die Gemeinde ihr Zentrum: Ein multifunktionales Gemeindehaus und daneben das Pfarrhaus in einem ummauerten Garten. Dort haben schon viele Kirchditmolder mit den Franzosen gefeiert. Seit gut 40 Jahren besteht die Partnerschaft, die auf die Pfarrer Bothmann und Audonneau zurückgeht. Immer wieder finden Reisen nach Nîmes – oder nach Kassel - statt. Freundschaften sind entstanden. Es ist schon eine besondere Erfahrung, wenn man als deutscher Pfarrer in einem hugenottischen Gottesdienst predigen darf oder französische Fürbitten und den Segen in der Kirchditmolder Kirche erfährt.

Wozu eine solche Partnerschaft? Europa wuchs zwei Generationen lang zusammen. Nun sind die separatistischen Kräfte überall am Werk. Die rechtspopulistische Marine Le Pen ist in diesem Jahr Präsidentschaftskandidatin, von Pegida etc. in Deutschland ganz zu schweigen. Es ist die richtige Zeit für Christen, sich für Verständigung und Miteinander einzusetzen. Zusammen mit den Franzosen beten, die Problematik der Migrationsfragen  besprechen, sich gegenseitig Mut zu machen: Das ist wichtiger denn je. Die Franzosen haben eine lange Erfahrung mit dem Laizismus, also einer absolut scharfen Trennung zwischen Religion und Staat. „Auch tief überzeugte Anhänger der französischen Revolution geben heute zu: der Staat hat in der Vermittlung von Werten seine Grenzen. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit sind wichtig, aber die Basierung von Werten in gelebter und erfahrener Gemeinschaft, von Gotteserfahrung in gelebter religiöser Ethik sind nicht verzichtbar“, sagt Friderun Nolte, bisherige Vorsitzende des conseil de paroisse (Kirchenvorstand). Heilfroh sind die französischen Behörden, dass sich protestantische Gemeinden wie die fraternité der eigentlich illegalen Flüchtlinge annehmen. Denn in jenem schönen Garten mit Gemeinde- und Pfarrhaus stehen auch ein paar Pavillons, in den „hommes sans papiers“ leben, Menschen ohne Asylstatus, ohne eigentliche Duldung. Die Hugenottengemeinden, die in der Tradition von Verfolgung und Flucht stehen, haben im Zweiten Weltkrieg Juden und Kommunisten versteckt oder über die Grenze gebracht. Das Flüchtlingswerk CIMADE besteht noch heute und hat viel zu tun. Unsere Kasseler Hugenotten lebten um 1700 in ganz ähnlichen Rechtsverhältnissen: vom Staat vertriebene Christen im Ausland.

Mit der fraternité und den Gemeinden in Nîmes verbindet uns unser gemeinsamer Glaube, eine gelungene Aufarbeitung der alten deutsch-französischen Feindschaft und vor allem tiefe menschliche Erfahrungen und Begegnungen. Wenn wir kommen, sind wir bei Gemeindemitgliedern zu Gast, ebenso wie die Franzosen bei uns in der Gemeinde wohnen. Das ist viel mehr als Tourismus, das ist gelebte Geschwisterlichkeit – trotz Sprachbarrieren.

Bei einer Reise im November haben wir mit dem Kirchenvorstand und dem Vorstand der Nîmer Stadtsynode beschlossen, unsere Partnerschaft wieder zu kräftigen. Die Franzosen sind Ende Okober 2017 nach Kassel eingeladen, unsere Kantorei wird 2018 nach Südfrankreich fahren und in Nîmes singen. Es geht weiter. Allons enfants…

Thomas Benner

Gemeindemittagessen nach dem Gottesdienst in der fraternité, Foto: Benner

Vor der Arena in Nimes - Hans Peter Conrad, Kirchenvorstand; Friderun Nolte, fraternité, Pfarrer Dr. Benner, Foto: Benner