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Auf ein Wort: "Angst" PDF Drucken E-Mail

Er hatte immer Angst. Vor seinem strengen Vater und dessen hohen Ansprüchen. Vor seinem strengen Gott und dessen hohen Ansprüchen. Sein Gott, an den er glaubt, lässt ihn nicht leben.

Ist Gott gerecht, so muss er strafen. Eine andere Schlussfolgerung lässt sein Gottesbild nicht zu. Doch dann beginnt er neu zu lesen. Mit dem neuen Lesen kommen das Verstehen und das Aufatmen. Gerechtigkeit Gottes, das heißt für ihn nun nicht mehr Strafe und Zerstörung.  Es heißt für ihn jetzt vielmehr:  Gott kommt auf mich zu und  reicht mir die Hand, weil er mich liebt und ich es wert bin, geliebt zu werden – ganz ohne mein Zutun. Das verändert alles für ihn. Das stellt sein ganzes Leben auf den Kopf. Meine Zukunft, das, was ich bin und sein werde, liegt allein in Gott. Nicht, was ich geworden bin, zählt. Nicht, was an misslungener Vergangenheit hinter mir liegt, zählt,  sondern allein, wie Gott mich sieht.

Und dessen Augen sind liebende und annehmende Augen. „Hier fühlte ich mich wie neugeboren und als wäre ich durch die geöffneten Pforten ins Paradies selbst eingetreten“, so erinnert Martin Luther sich an seine verwandelte Angstgeschichte. Es gibt etwas zu feiern am Reformationsfest:  Eine Gemeinschaft, in der sich keiner seiner Angst zu schämen braucht,  nicht seiner zitternden Hände und auch nicht seines Versagens. Das klingt leichter als es ist?

„Das Leben“, sagt Martin Luther, „ist nicht ein Frommsein, sondern ein Frommwerden, nicht eine Gesundheit, sondern ein Gesundwerden, nicht ein Sein, sondern ein Werden, nicht eine Ruhe, sondern eine Übung. Wir sind’s noch nicht, wir werden’s aber. Es ist noch nicht getan oder geschehen, es ist aber im Gang und im Schwang. Es ist nicht das Ende, aber es ist der Weg.

Ihre Anke Trömper